„Unfähig, mit Menschen zu leben, zu reden. Vollständiges Versinken in mich. Stumpf, gedankenlos, ängstlich. Ich habe nichts mitzuteilen, niemals, niemandem.“ – Ein Zitat von Franz Kafka, welches vermutlichen jeden Einzelkämpfer berührt.

Doch ist es wirklich so? Sind Einzelkämpfer immer unbedingt introvertiert, in sich gekehrt oder sogar egoistisch? Und werden Teamplayer wirklich bevorzugt eingestellt, weil sie so offen und kontaktfreudig sind? Tatsächlich trifft das heutzutage so zu – aber nicht immer lässt sich von einem Egoisten gleich auf einen Einzelkämpfer schließen oder von jemandem mit viel sozialer Kompetenz auf einen Teamplayer. Denn oft ist es auch so, dass Menschen nur bestimmte Rollen einnehmen – sei es, weil sie dort hineingedrängt werden, oder weil diese Rolle sie zum beruflichen Erfolg führt.

Was soll das heißen?

Du selbst kennst dich am besten und genau deshalb solltest du auch nur auf dich hören, wenn es ums Thema Berufswahl geht. Denn gerade hier kann es durchaus interessant für dich sein, ob du alles für das Team gibst oder lieber für dich alleine kämpfst. Besonders in Berufen, wo Teamarbeit gefragt ist, sind Einzelkämpfer ungern gesehen, denn sie können den Arbeitsfluss behindern. Genauso ist es umgekehrt: In vielen Berufen kannst du es dir einfach nicht erlauben auf die Meinung anderer zu warten oder dich mit deinem Team abzusprechen. Hier zählen deine Meinung, deine Fähigkeiten oder dein schnelles Handeln.

Wo ist Teamarbeit gefragt?

Oft lässt sich ja der Eindruck gewinnen, dass so ziemlich JEDER teamfähig sein sollte, wenn man sich so die Stellenanzeigen durchliest. Dabei sollte aber immer bedacht werden, wie ein Unternehmen „Teamarbeit“ definiert. Denn oft können auch zwei Mitarbeiter, die zusammen Briefe eintüten als Teamplayer bezeichnet werden – bei solchen Arbeiten von Teamarbeit zu sprechen ist allerdings Nonsens. Grundsätzlich wird echte Teamarbeit da praktiziert, wo komplexe Aufgaben gelöst werden müssen, die das Know-how mehrerer Experten oder Fachkräfte erfordern.

Am häufigsten sind das  Mitarbeiter in Büros, denn egal um welche Dienstleistung es geht, die verschiedenen Abteilungen müssen sich abstimmen. Das wären beispielsweise Kaufleute für Bürokommunikation oder Kaufleute für Marketingkommunikation. Aber auch Mediengestalter oder Medienkaufleute oder Feuerwehrmänner sind ebenfalls ganz klare Teamplayer. Zwar machen letztere alle den gleichen Job, doch müssen sie in Gefahren- oder Notsituationen wie ein perfektes Team zusammenpassen und Hand in Hand arbeiten.

Handwerksberufe wie Maurer, Tischler oder auch Fliesenleger sind ebenfalls Teamplayer – sie müssen gemeinsame Arbeiten aufeinander abstimmen. Ähnlich sieht es in der Gastronomie aus: Hier arbeitet eine Hand für die Andere. Der Kellner nimmt die Bestellung auf, der Barkeeper macht die Getränke fertig und der Koch kümmert sich um die Speisen – ein Gewerbe, das ohne Teamarbeit nicht funktionieren würde. Und sogar bei McDonald’s herrscht Teamarbeit – hier sind die Fachleute für Systemgastronomie Schritt für Schritt aufeinander eingespielt – sonst würde aus dem „Fast Food“ schnell mal ein „Slow Food“ werden.

Und wo kann ich alleine arbeiten?

Im Gegensatz dazu ist eine Immobilienkauffrau eine Einzelkämpferin, denn sie muss ganz klar IHR Objekt an den Mann bringen und arbeitet für ihr ganz eigenes Interesse. Einzelkämpfer sind in der Regel oft auch jene, die etwas erreichen wollen. Man muss nicht immer in sich gekehrt und kontaktscheu sein, um als Einzelkämpfer zu gelten. Aber jemand, der Erfolg anstrebt, lässt sich oft durch nichts und niemanden aufhalten, er geht quasi seinen eigenen Weg. Da die meisten Stellenausschreibungen heutzutage die Eigenschaft „teamfähig“ beinhalten, kann man als Einzelkämpfer schon auch mal etwas verzweifeln. Dazu muss aber gesagt werden, dass man auch in Büro- und anderen Jobs als Einzelkämpfer erfolgreich sein kann. Oft geht es gar nicht unbedingt darum, dass die Arbeit im Team aufgeteilt wird und du, wie in der Schule an Gruppenarbeiten teilnehmen musst, sondern eher darum, wie du im Kreis deiner Kollegen klarkommst. Wenn du lieber für dich arbeitest, kannst du ja spätestens nach deiner Ausbildung eigene Projekte übernehmen. Trotzdem kommst du in einem Team einfach besser an, wenn du in der Mittagspause auch mal mit jemandem sprichst oder zumindest lächelnd einen guten Appetit wünschst, anstatt deinen Kollegen den Rücken zuzudrehen und beim Essen nur auf dein Handy zu starren.

Wie finde ich heraus welcher Typ ich bin?

Oft ist es so, dass man selber schon sehr gut weiß, ob man als Teamplayer funktionieren könnte oder doch lieber als Einzelkämpfer an den Start geht. Musstest du dich bereits sehr früh alleine durchbeißen oder hattest du immer Unterstützung? Mit den einfachsten Fragen kannst du dich selbst testen. Auch Situationen in deinem Freundeskreis können Hinweise sein: Gehst du lieber mit der Clique auf eine coole Party oder schaust du lieber deinen Lieblingsfilm? Stellst du deine eigenen Probleme vor die der anderen oder bietest du immer deine helfende Hand an? Wichtig ist aber auch, eine klare Abgrenzung zu machen zwischen Privatleben und Beruf. So kannst du im Beruf durchaus ein Einzelkämpfer sein, während du privat doch eher Teamplayer bist. Die relevante Frage, die du dir stellen solltest, ist: Wenn ich durch und durch ein Teamplayer bin, schaff ich es dann mich im Beruf als Einzelkämpfer durchzusetzen? Denn wenn nicht, solltest du dir am besten einen Beruf suchen, in dem Teamarbeit höchste Priorität hat.

Und wenn du gar nicht weiter weißt, dann hilft immer noch unser Berufscheck. Er findet heraus, ob du Einzelkämpfer oder Teamplayer bist und schlägt dir am Ende sogar passende Berufe vor.

Bildquelle Titelbild:© Jacob Wackerhausen | Thinkstock

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