Man ist nur so alt, wie man sich fühlt? Blödsinn, man ist so alt, wie man eben ist. Wie man sich dann fühlt, ist eine andere Sache. Und manchmal fühlt man sich für einige Sachen viel zu alt. Zum Beispiel, wenn deine Pferdebilder von der Wand verschwinden, um dem Band-Poster Platz zu machen. Oder wenn deine Bibi Blocksberg-Kassetten langsam im Regal verstauben. Aber Hand aufs Herz: Denken wir nicht meistens bloß, wir wären für viele Sachen einfach zu alt, obwohl es sich gar nicht so anfühlt? Zum Beispiel beim Thema Ausbildung. Ist so eine Ausbildung nur etwas für die U20-Kids? Never! Im heutigen Blog wollen wir dir zeigen, warum es sich auch später noch lohnt, eine Ausbildung anzufangen, und warum ältere Bewerber sogar manchmal einen Vorteil haben.

Ohne Abstriche geht’s leider nicht

Bevor wir die große „Du bist nie zu alt“-Keule schwingen, wollen wir gar nicht so tun, als gäbe es da nicht auch ein paar Nachteile. Und zwar vor allem finanzielle. So hast du vielleicht keinen Anspruch auf Kindergeld oder BAföG oder musst deinen Lebensstandard ein bisschen runterfahren. Von 600 Euro brutto im Monat lassen sich eben nur schwer Miete, Lebensmittel, Auto und Klamotten bezahlen. Aber auch dafür gibt es Lösungen: Viele Ausbildungsbetriebe bekommen eine staatliche Unterstützung, um älteren Azubis ein etwas höheres Ausbildungsgehalt zahlen zu können.

Mehr Geld

Entspann dich mal!

Und dann ist da noch der eigene Leistungsdruck. Freunde oder Bekannte stehen schon im Berufsleben, gründen eine Familie und schielen auf die Eigentumswohnung. Und du startest noch einmal von vorne. Aber entspann dich hier, denn immerhin startest du. Und es gibt niemanden außer dir selbst, der sich ein Urteil darüber erlauben darf, ob du nun zu alt bist oder nicht. Was auch immer deine Gründe waren oder sind: Wenn du denkst, dass es Zeit für einen Neustart ist, dann solltest du diesen Wunsch nicht ignorieren.

Du bist kein Einzelfall

Du bist auch ganz sicher nicht der erste Mensch, der mit Ü25, Ü30 oder Ü50 überlegt, noch eine Ausbildung anzufangen. Klar, es ist vielleicht die Regel, gleich nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen. Aber viele Leute brechen ihre Ausbildung oder ihr Studium ab und orientieren sich dann neu. Rund 12 % aller Azubis sind nämlich zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Alte Leute tanzen

30 Jahre geballtes Leben

Gut, dein Gewissen ist vielleicht beruhigt. Aber wie sehen das die Arbeitgeber? Schreckt die dein Alter ab? Auf keinen Fall! Ältere Azubis bringen nämlich einen ganz wesentlichen Vorteil mit: Lebenserfahrung. Vielleicht hat es bei dir ein bisschen länger gedauert, herauszufinden, was du beruflich willst. Aber jetzt weißt du es, und du weißt es daher wirklich zu schätzen. Während andere mit Anfang 20 vielleicht noch etwas lascher an die Dinge herangehen, sind ältere Azubis oft besonders ehrgeizig und ziehen ihr Ding durch.

Selbst Liebeskummer lohnt sich

Und egal, was du in der Zeit vor der Ausbildung gemacht hast: Du hast ganz sicher nicht nix gemacht. Man macht immer irgendetwas, und sei es nur, Erfahrungen zu sammeln. Auch Selbstzweifel und schlaflose Nächte gehören dazu, denn wie beim Liebeskummer sind das alles Erfahrungen, an denen du als Mensch wächst.

Typ heult

Lebenserfahrung ist immer ein Vorteil, wenn es darum geht, mit Menschen umzugehen oder dem Leben die Stirn zu bieten. Man gibt dir daher vielleicht Aufgaben, die man einem 16jährigen nicht zutrauen würde, zum Beispiel ein Kundengespräch. Ausbildungsreife ist das Zauberwort.

Die wilden Jahre sind vorbei

Denk mal aus Firmensicht: Die wollen ja auch zukünftige Fachkräfte ausbilden. Aber viele junge Leute kommen auf die Idee, den Betrieb oder die Ausbildung zu wechseln, streben noch einen Uniabschluss an oder wollen doch noch die weite Welt bereisen. Du weißt hingegen ganz klar, wohin die Reise für dich gehen soll, und stehst fest im Leben. Die Zeit der Experimente und des Austobens hast du hinter dir. Dazu kommt, dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze gar nicht besetzen können, weil viele junge Leute lieber studieren. Mittlerweile gibt es einige große Unternehmen, die gezielt Azubis jenseits der 50 ausbilden. Dafür haben sie besondere Senioren-Ausbildungen entwickelt, die oft nur ein Jahr dauern.

Im Kindergartenalter des Berufslebens

Aber auch, wenn du noch keine 50 bist, kannst du deine Ausbildung aufgrund deiner Vorerfahrungen verkürzen, zum Beispiel, wenn du schon mal eine andere Ausbildung angefangen oder einfach schon viele Jahre nebenbei gearbeitet hast. Sogar durch gute Leistungen in Berufsschule und im Betrieb kannst du verkürzen oder deine Abschlussprüfung vorziehen. Eine dreijährige Ausbildung kannst du so um 18 Monate, eine zweijährige Ausbildung um ein Jahr drücken. Und was sind schon ein oder zwei Jahre? Überleg mal, wann du in Rente gehst. Da steckst du jetzt doch gerade mal im Kindergartenalter des Berufslebens. Also Augen zu und durch, sonst wirst du es bereuen. Genauso, wie wenn du deine Hörspielkassetten wegwirfst. Glaub uns, in wenigen Jahren kramst du sie wieder sehnsüchtig hervor.

Kassette explodiert

 

 

Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Textes ist 32 Jahre alt, und wäre er nicht in diesem wunderbaren Unternehmen gelandet, hätte er vermutlich mit 30 noch ein zweites Studium oder eine Ausbildung angefangen. Außerdem schmeißt er immer noch regelmäßig „Bibi und die Weihnachtsmänner“ an, baut Höhlen aus Stühlen und Decken und kann es kaum erwarten, ein Kind zu haben, damit er endlich wieder mit Lego spielen darf.

Bildquelle Titelbild: http://www.rockagogo.com/c235-les-fringues/c29-cinema/c244-mecs-t-shirts-manches-courtes/p6925-teeshirt-cinema-homer-simpson-never-too-old-to-rock/

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