Vor einer Weile haben wir beim Management von dem Schauspieler Joachim H. Luger angefragt, ob wir ein Foto von ihm haben können. Wir wollten ihn nämlich gerne als Promi für das Ausbildungsprofil des Chemielaboranten gewinnen. Plötzlich klingelte das Telefon und der bekannte Lindenstraßenstar persönlich war am anderen Ende der Leitung. Da er ziemlich cool drauf ist, hat er nicht nur dafür gesorgt, dass wir ein Foto von ihm bekommen, sondern kam sogar auf ein Interview bei uns im Büro vorbei. Darin erzählte er uns alles über seine Ausbildung und seinen Weg zur Schauspielerei.

Herr Luger, welchen Schulabschluss haben Sie eigentlich?

Ich habe einen Realschulabschluss gemacht.

Wieso haben Sie sich für die Ausbildung zum Chemielaboranten entschieden, wie sind Sie darauf gekommen?

Schon als Jugendlicher habe ich mich fürs Theater und die Schauspielerei interessiert, aber mein Vater sagte: „lern‘ lieber was Anständiges“.  Irgendwann gab ich dann mal im Chemieunterricht eine schlaue Antwort, woraufhin mein Chemielehrer meinte, dass ich doch für eine Ausbildung in dem Bereich geeignet wäre. Also habe ich mich auf gut Glück bei dem damals größten Phramaunternehmen Schering in Berlin beworben.

War es schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen?

Ich habe schon ein paar Bewerbungen verschickt, bei der Schering AG wurde ich dann eingeladen. Mit mir aber noch 499 andere, wovon nur 10% am Ende die Ausbildung machen durften. Deshalb mussten wir an einem Einstellungstest teilnehmen, den ich zum Glück bestanden habe und so einen der Ausbildungsplätze ergattern konnte.

Und wie hat Ihnen die Ausbildung gefallen?

Sie war fantastisch! Im ersten halben Jahr habe ich sehr viel Theoretisches gelernt, danach ging es dann ins Labor.

Haben Sie während der Ausbildung mal daran gedacht, sie abzubrechen?

Diese Frage habe ich mir nie gestellt. Einerseits, weil die Ausbildung mir viel Spaß gemacht hat. Andererseits wurde es damals aber auch nicht so gehandhabt, dass man so etwas wie eine Ausbildung mal eben abbricht.

Haben Sie während der Ausbildung noch bei Ihren Eltern gewohnt oder mussten Sie umziehen? Und wie kamen Sie mit dem Ausbildungsgehalt klar?

Ich weiß noch, dass ich am Anfang 55 DM im Monat verdient habe, was dann im zweiten Lehrjahr schon auf 75 DM erhöht wurde. Irgendwann bin ich während der Ausbildung von zuhause ausgezogen, allerdings nur in ein kleines Zimmer auf dem gleichen Grundstück. Das hat 18,80 DM Miete im Monat gekostet, insofern hat mein Ausbildungsgehalt durchaus gereicht.

Haben Sie direkt nach dem Abschluss der Ausbildung eine Stelle bekommen?

Im Gegensatz zur heutigen Zeit wurden bei der Schering AG tatsächlich alle Azubis nach der Ausbildung übernommen. Also habe auch ich direkt eine Festanstellung bekommen.

Wie kamen Sie dann zur Schauspielerei?

Es hat mir Spaß gemacht, Chemielaborant zu sein, deshalb habe ich nach meiner Ausbildung auch noch für etwa anderthalb Jahre in dem Beruf gearbeitet. Nebenbei habe ich aber auch in einer Laiengruppe geschauspielert und meinen eigentlichen Wunschtraum nicht aus den Augen verloren. Irgendwann wurde der so stark, dass ich meinen Job gekündigt habe und auf die Schauspielschule gegangen bin. Ich war bisher zwar schon an ein Gehalt gewöhnt, habe mir meinen Traum aber durch viele verschiedene Nebenjobs finanziert, z.B. habe ich Autos gewaschen, Hecken geschnitten oder auf Baustellen ausgeholfen.

Bereuen Sie es, die Ausbildung zum Chemielaboranten gemacht zu haben und nicht direkt an die Schauspielschule gegangen zu sein?

Ganz und gar nicht! Ich würde sogar alles nochmal genauso machen. In der Ausbildung habe ich nämlich beispielsweise gelernt, wie man strukturiert arbeitet. Das hat mir auch bei der Schauspielerei weitergeholfen.

Vielen Dank für das Interview 🙂

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Nach unserem Gespräch war Herr Luger noch so nett, den Berufscheck für uns zu machen. Siehe da – er war der Will Smith-Typ, der gern im Rampenlicht steht und ein Talent dafür hat, andere Leute zu entertainen.

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