Du hast dich so auf deine Ausbildung gefreut, doch die Zeit im Betrieb wird immer mehr zur Qual? Der Abbruch der kompletten Ausbildung muss in dem Fall nicht die einzige Lösung sein, oftmals reicht es, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln. Dies ist gerade dann sinnvoll, wenn du mit deiner Berufswahl nach wie vor zufrieden bist. Wir erklären dir, wie du deinen Ausbildungsbetrieb wechseln kannst und deine Ausbildung doch noch ein Happy End erlebt.

In sechs Schritten den Ausbildungsbetrieb wechseln

  1. Die Überlegung
    ausrufezeichenWas stört dich an deiner Ausbildung? Hast du ständig Streit mit Kollegen und Vorgesetzen? Fühlst du dich vom Unternehmen allein gelassen und überfordert? Oder vielleicht auch unterfordert? Hast du das Gefühl, nicht zu lernen, was laut Ausbildungsverordnung vorgesehen ist? Oder wirst du etwa nicht pünktlich oder ausreichend vergütet? Argumente für einen Wechsel des Ausbildungsbetriebs gibt es viele, aber bitte bedenke, dass man viele Probleme auch durch ein offenes Gespräch aus der Welt schaffen kann.
  1. Entscheidung treffen
    wegweiserVielleicht ist deinem Ausbilder gar nicht klar, wie unzufrieden du bist. Suche also zunächst das Gespräch mit deinem Betreuer. Am besten lässt du dir einen Termin geben, damit man ausreichend Zeit für dich hat. Eventuell ist ein Wechsel ja gar nicht nötig. Falls doch, ist es Zeit für den nächsten Schritt.
  1. Einen neuen Ausbildungsplatz suchen
    rettungsringDas Gespräch mit deinem Arbeitgeber hat deinen Wechselwunsch nur bestätigt? Dann musst du dir nun einen neuen Ausbildungsplatz suchen. In der Bewerbung musst du zwar angeben, dass du den Betrieb wechseln möchtest, ein No-Go ist es aber, sich schlecht über den alten Arbeitgeber zu äußern. Hast du einen Ausbilder gefunden, sollten gleich die Verträge aufgesetzt werden, erst dann beendest du das alte Ausbildungsverhältnis.
  1. Einen Aufhebungsvertrag aufsetzen lassen – auf keinen Fall kündigen!
    vertragJetzt wird es ernst: Du musst deinen alten Ausbildungsvertrag aufheben lassen. Nur in der Probezeit kannst du ohne Angst vor Konsequenzen kündigen. Ein Aufhebungsvertrag bedeutet, dass das Unternehmen dich als Azubi freistellt, damit du deine Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen kannst.
  1. Urlaub, Arbeitszeugnis und Co. – Ansprüche klären
    sparschweinWurde dein letztes Gehalt anstandslos überwiesen? Sind Überstunden und Resturlaub korrekt angerechnet worden? Du solltest nicht aus reiner Bequemlichkeit auf deine Ansprüche verzichten. Du kannst übrigens auch ein Arbeitszeugnis einfordern. Wenn du Angst vor einer schlechten Begutachtung hast, solltest du ein Zeugnis ohne Bewertung verlangen.
  1. Neue Ausbildung starten
    newDer Übergang ist nun nahtlos möglich. Das heißt, du machst dort weiter, wo du aufgehört hast. Allerdings hast du nun auch wieder eine neue Probezeit. Also nutze deine zweite Chance! Die anderen Azubis freuen sich bestimmt über einen neuen Teamkollegen.

Was mache ich, wenn ich Betrieb und Ausbildungsberuf wechseln möchte?

Im Prinzip verläuft der Wechsel genauso, allerdings musst du deine Ausbildung von vorne beginnen. Sind sich die Berufe ähnlich, solltest du deinen Wissensvorsprung nutzen und die Ausbildung verkürzen. Sprich dies frühzeitig an, damit dein Ausbildungsbetrieb dich ausreichend unterstützen kann.

Was ist, wenn ein Aufhebungsvertrag nicht möglich ist?

Die sechs Schritte sind der Idealfall, oftmals lassen sich Unternehmen aber nicht auf einen Aufhebungsvertag ein. Was nun? Unüberlegt kündigen solltest du nicht, es sei denn du bist in der Probezeit. Kündigst du außerhalb der Probezeit fristlos, kann es im schlimmsten Fall zu einer Schadensersatzklage kommen. Zudem kannst du dein Recht auf Arbeitslosengeld verlieren. Also erst einmal prüfen, wie die rechtliche Lage ist.

gewitterwolkeGründe für eine fristlose Kündigung sind:

  • sexuelle Belästigung
  • ausstehende Gehaltszahlungen
  • unbezahlte Überstunden
  • Verstöße gegen Arbeitsschutzbestimmungen
  • (in bestimmten Fällen auch) Diskriminierung undMobbing

Bitte hole dir in diesem Fall rechtliche oder fachliche Hilfe über Kammern wie der IHK, Gewerkschaften oder einem Anwalt. Ist deine Begründung ausreichend, kannst du eine schriftliche fristlose Kündigung einreichen und den Ausbildungsbetrieb wechseln.

Titelbild © f-f-f-f/Shutterstock.com

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