„Hiermit muss ich Ihnen leider kündigen.“ – ein Satz wie aus einem Alptraum. Umso schlimmer, wenn dieser Satz nicht aus einem bösen Traum, sondern aus dem Mund deines Ausbilders stammt. Auf einmal stehst du förmlich „auf der Straße“, mit einem Haufen von Fragezeichen im Kopf: Dürfen die mir überhaupt kündigen? Wer hilft mir? Und kann ich meine Ausbildung überhaupt noch zu Ende machen? Leider nimmt dich von alleine niemand an die Hand, um diese Wissenslücke zu stopfen. Ziemlich ungerecht, wenn du uns fragst – darum wollen wir dir mit diesem Blogbeitrag helfen, deine Fragen zu beantworten.

Welche Arten von Kündigungen gibt es?

Zuerst müssen wir zwei verschiedene Situationen unterscheiden: Die Kündigung während und die Kündigung nach Ablauf der Probezeit. So lange du dich in der Probezeit befindest kann dich dein Ausbildungsbetrieb nämlich jederzeit und ohne Angabe eines Grundes fristlos kündigen.

Solltest du deine Probezeit bereits hinter dir haben, müssen schon schwerwiegendere Gründe vorliegen. Man unterscheidet im Fachjargon zwischen drei Kategorien: verhaltensbedingten, personenbedingten oder betriebsbedingten Kündigungen.

Verhaltensbedingte Kündigung Personenbedingte Kündigung Betriebsbedingte Kündigung
mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen Krankheit (wenn es absehbar ist, dass du im Laufe der Ausbildung nicht wieder gesund wirst oder du dadurch nicht mehr für deinen Ausbildungsberuf geeignet bist) notwendiger Personalabbau
wiederholte unerlaubte Nutzung eines betrieblichen Internetzugangs zu privaten Zwecken Alkoholkrankheit oder Drogensucht Stilllegung der Ausbildungsabteilung oder des ganzen Betriebs
Diebstahl Haftstrafe Standortverlagerung

Gelbe Karte: die Abmahnung vor der Kündigung

In der Regel darf dich dein Chef natürlich nicht kündigen, ohne dir vorher die „Gelbe Karte“ in Form einer Abmahnung zu zeigen. Gerade bei verhaltensbedingten Kündigungsgründen ist eine Abmahnung Pflicht. Es sei denn, du bettelst förmlich um die Kündigung, indem du etwas Schlimmes anstellst, etwa das Stehlen einer größeren Summe Geld. Solltest du aus personenbedingten oder betriebsbedingten Gründen gekündigt werden, ist eine vorherige Abmahnung nicht notwendig und dein Betrieb kann dir direkt die „Rote Karte“ zeigen. Die Kündigung muss schriftlich und unter Angabe des entsprechenden Grundes erfolgen. Dabei muss der Grund so verständlich sein, dass dir direkt klar wird, auf welchen Vorfall dein Chef sich bezieht

KEINE Gründe für eine Kündigung sind übrigens Arbeitsmangel, wirtschaftliche Schwierigkeiten oder schlechte Leistungen in der Berufsschule.

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Was kann ich gegen eine Kündigung machen?

Das kommt natürlich ganz darauf an, ob du die Kündigung akzeptierst oder dagegen vorgehen willst.

  • Schlichtung: Wenn du dagegen vorgehen willst, ist deine erste Station die Schlichtungsstelle der für dich zuständigen Kammer (IHK, HWK etc.). Während der Schlichtung sollen beide Parteien die Gelegenheit bekommen, ihre Streitigkeiten zu klären und das Ausbildungsverhältnis eventuell fortzusetzen. Dabei hilft ein Ausschuss, der sowohl mit Arbeitgebern als auch mit Arbeitnehmern besetzt ist.
  • Klage: Hilft das alles nichts, bleibt nur noch der Schritt vors Arbeitsgericht, um Klage einzureichen. Das Verfahren an sich kostet dich übrigens nichts! Welche Frage du dir natürlich vorher stellen musst: Willst du wirklich noch in dem Betrieb arbeiten, nachdem du diesen vor dem Arbeitsgericht verklagt hast?

Die Frist zum Einreichen der Klage beim Arbeitsgericht beträgt drei Wochen ab dem Zeitpunkt der Kündigungszustellung oder zwei Wochen nach der Entscheidung der Schlichtungsstelle

Wie kann ich die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen?

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Wenn du die Kündigung akzeptierst, deine Ausbildung aber fortsetzen willst, musst du dir zwangsläufig einen neuen Betrieb suchen. Das kann – je nach Ausbildungsberuf – einfach oder schwierig werden.

Tipps für die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz:

  • geh die Suche nach einer neuen Stelle ohne Verzögerung an. Halte in Jobbörsen Ausschau nach passenden Stellen
  • nutze deine Kontakte aus der Berufsschule, indem deine Mitschüler ihre Betriebe fragen, ob ein Platz für dich frei ist
  • frag auch deinen Lehrer, ob er dir einen Kontakt verschaffen kann
  • bist du im dritten Lehrjahr, kannst du nach Festanstellungen schauen, oft sind Unternehmen bereit, den letzten Ausbildungsabschnitt zu übernehmen – und du hast am Ende eine Übernahme sicher

Kann ich meine Abschlussprüfung auch ohne Ausbilder machen?

In bestimmten Fällen kannst du an einer Externenprüfung teilnehmen. Die ist wie eine normale Abschlussprüfung, nur, dass du für diese Prüfung keinen Ausbildungsbetrieb benötigst. Für die Zulassung zur Prüfung musst du aber nachweisen können, dass du die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hast. Am besten holst du dir einen Termin bei der zuständigen Kammer und lässt dich beraten.

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Checkliste: was muss ich bei einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs beachten

Zum Schluss gibt es von uns noch eine kleine Checkliste mit Dingen, die du vorm Wechsel in einen anderen Ausbildungsbetrieb unbedingt abarbeiten solltest:

  1. Ausbildungszeit anrechnen lassen: Kläre unbedingt mit deinem neuen Betrieb ab, ob dir die Zeit in deinem alten Ausbildungsbetrieb anerkannt wird.
  2. Berufsschulleistungen: Auch mit deiner Berufsschule musst du abklären, ob deine Leistungen bei einem Wechsel bestehen bleiben. Das gilt vor allem, wenn du die Berufsschule wechseln musst.
  3. Arbeitszeugnis ausstellen lassen: Du solltest dir unbedingt von deinem alten Ausbildungsbetrieb ein „qualifiziertes Arbeitszeugnis“ ausstellen lassen. In diesem steht detailliert, welche Aufgaben und Tätigkeiten du im Laufe deiner Ausbildung ausgeübt hast und wie der Betrieb diese bewertet hat.

Wenn du Angst davor hast, dass dieses Zeugnis extra schlecht geschrieben ist, weil dein Betrieb sauer auf dich sein könnte, dann kannst du auch ein „nicht qualifiziertes Arbeitszeugnis“ verlangen. In diesem stehen dann keine Bewertungen deiner Arbeit, sondern nur die Beschäftigungsdauer und deine Tätigkeiten.

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