Immer noch wissen viele Menschen nicht, was hinter einer Legasthenie oder Dyskalkulie steckt. Diese Unwissenheit führt zu Vorurteilen und kann Betroffen das Leben schwer machen. Betroffene sprechen oft aus Angst vor Ausgrenzung nicht über ihre Schwächen und durchleben im Alltag immer wieder Situationen, in denen sie ihre Schwäche verheimlichen und denken: Viele berufliche Ziele sind unerreichbar.

Wir machen damit Schluss!!
Wir wollen, dass unsere fachlichen Kompetenzen im Mittelpunkt stehen und wir uns nicht wegen unserer Beeinträchtigung im Lesen, Schreiben oder Rechnen immer wieder rechtfertigen müssen.
Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft und Chancengleichheit für alle Menschen, egal welche Beeinträchtigung das Leben begleitet.

Unsere Gruppe
Wir sind die „Jungen Aktiven“ (JA-Gruppe) vom „Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e.V.“ (BVL). Unsere Gruppe besteht aus einem bunten Haufen von jungen Erwachsenen, die sich über ganz Deutschland verteilt zusammengeschlossen haben, um für unsere Rechte einzustehen und in den Austausch mit anderen Betroffen zu kommen. Wir lassen uns nicht unterkriegen und haben die Erfahrung gemacht, dass das Sprechen über Alltagsprobleme sehr hilfreich ist.
Wir suchen immer neue Mitglieder, die Lust auf Austauschen/Vernetzen haben und etwas bewegen wollen. Möchtest Du Deine Erfahrungen teilen und aktiv werden? Dann schreib uns eine E-Mail und trete unserer Facebook-Gruppe bei – die Links dazu gibt’s unten*

Unsere Tipps
1) Ob in der Ausbildung oder im Studium: Sprecht offen mit eurem Ausbilder/eurer Ausbilderin und der Berufsschule über eure Schwäche – sie hat nichts mit eurer Intelligenz zu tun!
2) Stellt frühzeitig einen Antrag auf Nachteilsausgleich, Informationen gibt es zum Beispiel in der Publikation „Nachteilsausgleich für behinderte Auszubildende“ – Handbuch für die Ausbildungs- und Prüfungspraxis.
3) An Universitäten oder Fachhochschulen gibt es die „Beratungsstelle für Studenten mit Behinderung“. Dort erhaltet Ihr Unterstützung und Informationen.
Wichtig zu lesen: „ Studium und Behinderung“ Sonderdruck des Studentenwerkes.
4) Tretet in Kontakt mit anderen Betroffenen und tauscht euch aus. Es gibt immer mal schlechte Erfahrungen mit nicht-Betroffenen, aber zusammen können wir einen Teil zu einer gerechteren und aufgeklärteren Gesellschaft beitragen!
5) Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Lasst euch nicht unterkriegen und glaubt an euch, jede Ausbildung und jedes Studium ist unserer Meinung nach möglich.

Legasthenie in der ausbildung

Technische Hilfsmittel
Es gibt unglaubliche viele technische Hilfsmittel, die jedem Betroffenen von Legasthenie oder Dyskalkulie eine Ausbildung oder ein Studium ermöglichen. Vorlesesoftware, Sprachsoftware, Korrekturprogramme, Taschenrechner, elektronische Messsysteme sind nur einige mögliche Hilfsmittel, die unsere Schwäche ausgleichen. Wir haben ein Recht auf einen Nachteilsausgleich bei Prüfungen! Dieser Nachteilsausgleich muss auf den Einzelnen individuell angepasst werden, aber er ist unsere Chance unser Wissen uneingeschränkt zeigen zu können.

Empfehlungen für Deine Berufswahl:
Ob Albert Einstein, Agatha Christie, Alfred Hitchcock, Prinzessin Beatrice Mountbatten-Windsor, Charles Darwin, Bill Gates, Dustin Hoffman, George Bush, Leonardo Da Vinci, Orlando Bloom, Michael Jackson oder du und ich, wir alle sind in einer Weise betroffen. Bei jedem von uns wirkt unsere Schwäche anders und lässt unterschiedliche Dinge zu.
Sei Dir deiner Schwächen bei der Berufswahl bewusst, lasse Dich aber von nichts aufhalten.

Wir glauben, es ist wichtig, dass man nur aufgrund einer Legasthenie/Dyskalkulie keinen Beruf von vornherein ausschließt. Wenn das Interesse da ist, kann man dank den Hilfsmitteln eigentlich alles versuchen, was man möchte.

dyslexia_what-is-dyslexia_4c

In unserer Gruppe haben wir: ErzieherInnen, JuristInnen, ElektronikerInnen, RettungsassistenInnen und noch andere spannende Berufe vertreten. Legasthenie und Dyskalkulie darf kein Ausschlusskriterium mehr sein!

Eigene Erfahrungen:
Ich heiße Sonja, bin 22 Jahre und habe seit ich denken kann eine Legasthenie. Ich habe oft einen Buchstabensalat im Kopf und hatte die Empfehlung „Förderschule“. Dank meiner Eltern habe ich eine gute Lerntherapie erhalten und so nach meinem Realschulabschluss eine schulische Ausbildung absolviert, dann mein Fachabitur gemeistert, lebte und arbeitete das kommende Jahr in Südafrika (Englisch war meine Arbeitssprache!) und bevor mein Studium „Soziale Arbeit“ los gehen sollte, arbeitete ich noch ein Jahr in der Inklusion in Hamburg, in dem ich einen Jungen mit Autismus im Schulalltag begleitete.

Heute befinde ich mich im zweiten Semester an der Fachhochschule in Kiel und kämpfe dafür, dass keinem Menschen, aufgrund von „nebensächlichen“ Schwächen, die, meiner Meinung nach, nicht das Leben bestimmen dürfen, Steine in den Weg gelegt werden. Jede E-Mail, jeder wichtige Brief muss für mich korrigiert werden. In Prüfungen bekomme ich schon seit der Ausbildung Zeitverlängerung und Schriftvergrößerung. Für jeden Nachteilsausgleich muss ich aktiv werden und Anträge stellen, aber es lohnt sich! Ich bin nicht dumm, ich bin so „normal“ wie alle anderen Menschen auch und da ich genau das gegenüber jedem Mitmenschen vertrete, habe ich schon vielen Betroffenen geholfen und unbetroffene Mitmenschen aufgeklärt.

Mein Tipp an Dich: Lass Dich nicht als dumm abstempeln, zeig was in Dir steckt!

Weitere Erfahrungsberichte kannst Du auf der Homepage des BVL finden.
http://www.bvl-legasthenie.de/ausbildung-beruf/jugendgruppe.html

Bei Fragen, Problemen oder Interesse wendet Euch an uns! Wir haben immer ein offenes Ohr.

*Facebook: https://www.facebook.com/JA.JungeAktive
https://www.facebook.com/groups/JA.JungeAktive/

E-Mail: ja@bvl-legasthenie.de

Bildquelle Titelbild:© Ridofranz | Thinkstock

Teilen: